Holzenergie

Wärme aus dem Wald - nachhaltig und erneuerbar

Holzenergie ist ein erneuerbarer Energieträger aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Sie spielt eine zentrale Rolle für die erneuerbare Wärmeversorgung der Schweiz. Mit Holzenergie lassen sich Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, Unternehmen, öffentliche Gebäude sowie Wärmeverbünde und Fernwärmenetze versorgen. Als regional verfügbare Ressource trägt sie zu einer zuverlässigen, nachhaltigen und weniger importabhängigen Energieversorgung bei.

Herkunft

Energieholz stammt hauptsächlich aus minderwertigem Waldholz, aus Reststoffen von Sägereien und der Holzindustrie sowie aus Altholz, das nicht mehr anderweitig genutzt werden kann. Dadurch wird die Ressource Holz effizient und verantwortungsvoll verwertet.

Regionalität

Holzenergie basiert in erster Linie auf Holz aus der Schweiz. Die regionale Verfügbarkeit verkürzt Transportwege, stärkt die lokale Wirtschaft und erhöht die Versorgungssicherheit. Durch die Nutzung von Holz aus heimischen Wäldern und holzverarbeitenden Betrieben entsteht eine hohe regionale Wertschöpfung, von der Waldbesitzende, Förster, Unternehmen und Gemeinden profitieren.

Formen

Je nach Anwendung steht Energieholz in unterschiedlichen Formen zur Verfügung. Zu den wichtigsten zählen Scheitholz, Holzschnitzel und Holzpellets. Als Brennstoffe kommen sie sowohl in Einzelöfen als auch in automatischen Heizungsanlagen und Wärmeverbünden zum Einsatz.

Potenzial

Die Schweizer Wälder liefern laufend neue Holzressourcen. Gemäss dem Landesforstinventar beträgt der Bruttozuwachs (Stammvolumen) rund 10,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Die aktuelle Flächenzunahme der Wälder entspricht rund neun Fussballfeldern pro Tag und findet mehrheitlich in den höheren Lagen der Alpen statt. In den letzten vierzig Jahren wurden jährlich nur knapp 5 Millionen Kubikmeter Waldholz geerntet – deutlich weniger, als nachhaltig möglich wäre. Durch eine verstärkte Holzmobilisierung, insbesondere in den Alpen und Voralpen, liesse sich dieses ungenutzte Potenzial besser ausschöpfen.

Dabei wird das Holz vorrangig stofflich genutzt: als Stammholz (Sägeholz) für Bretter, Balken und Schnittholz sowie als Industrieholz für die Holzwerkstoffindustrie (Span- und Faserplatten) und die Papier- und Zellstoffindustrie. Aus minderwertigem Waldholz und Sägerestholz entsteht dabei automatisch auch mehr Energieholz. So lassen sich vorhandene Holzressourcen effizient nutzen und weitere Potenziale für den Ausbau der Holzenergie im Rahmen der Energiewende erschliessen.

Nutzung

Bei der Verbrennung von Holz wird Energie freigesetzt, die zur Erzeugung von Wärme, Warmwasser und – in geeigneten Anlagen – auch von Strom genutzt werden kann. Besonders sinnvoll ist Holzenergie für die Wärmeversorgung sowie für Anlagen, die Wärme und Strom gleichzeitig erzeugen (Kraft-Wärme-Kopplung). Reine Stromerzeugung aus Holz ist weniger vorteilhaft.

Holzenergie eignet sich auch besonders gut für industrielle Hochtemperaturprozesse. Viele Betriebe benötigen Prozesswärme für Dampf, Trocknung oder chemische Verfahren – Temperaturbereiche, in denen Wärmepumpen an ihre Grenzen stossen. Holzheizwerke können diese hohen Temperaturen hingegen effizient und klimafreundlich bereitstellen.

Mehrwert

Holz ist weit mehr als ein Energieträger. Es stammt aus einer Ressource, die zahlreiche wichtige Funktionen erfüllt. Wälder fördern die Biodiversität, schützen Böden und Wasserressourcen, verbessern die Luftqualität und bieten attraktive Erholungsräume. Darüber hinaus tragen sie zum Schutz vor Naturgefahren bei und prägen das Landschaftsbild der Schweiz.

Die energetische Nutzung von Holz ergänzt die stoffliche Nutzung und ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Ohne die Verwertung von minderwertigem Holz und Sägerestholz als Energieholz wäre die Waldpflege und der notwendige Waldumbau hin zu klimaresistenten Beständen wirtschaftlich nicht möglich.

Vorteile

Erneuerbar

Holz ist ein erneuerbarer Energieträger, sofern die Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden. Bei einem jährlichen Zuwachs von 10,6 Mio. m³ werden in der Schweiz derzeit nur knapp 5 Mio. m³ geerntet – deutlich unter der nachhaltigen Nutzungsgrenze. Die Schweiz verfügt damit über erhebliches ungenutztes Potenzial.

CO₂-arm

Die Nutzung von Holzenergie erfolgt im natürlichen Kohlenstoffkreislauf: Bei der Verbrennung wird nur jene Menge CO₂ freigesetzt, die der Baum während seines Wachstums aufgenommen hat. Auch bei nachhaltiger Waldbewirtschaftung entstehen Emissionen durch Ernte, Transport und Verarbeitung – diese können durch Elektrifizierung und Dekarbonisierung schrittweise weiter reduziert werden.

Klimafreundlich

Energieholz ist ein etablierter, natürlicher und nachwachsender Energieträger. Seine hohe Brennstoffqualität und die durch Ökobilanzen belegte Klimafreundlichkeit machen es zu einem verlässlichen Beitrag zur Energiewende.

Sicher und verlässlich

Holzenergie ist eine heimische und speicherbare Energiequelle. Sie kann über Monate gelagert und gezielt im Winter eingesetzt werden – genau dann, wenn der Wärmebedarf am höchsten und das Energiesystem besonders belastet ist. Damit macht sie unabhängig von importierten Energieträgern, geopolitischen Spannungen und Schwankungen im Stromnetz.

Unabhängig

Holzenergie reduziert die Abhängigkeit von importierten Energieträgern und stärkt die Versorgungssicherheit durch eine regional verfügbare Ressource. Die Nutzung von einheimischem Energieholz trägt damit zu einer unabhängigen und sicheren Energieversorgung bei.

Wirtschaftlich

Die Nutzung von Holzenergie schafft regionale Wertschöpfung. Davon profitieren Waldbesitzende, Förster, Unternehmen der Holz- und Energiebranche und lokale Gemeinden. Gleichzeitig entstehen und werden Arbeitsplätze gesichert, insbesondere in ländlichen Regionen.

Nachhaltig

Die energetische Verwertung von Holz unterstützt monetär wie ökologisch eine aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung. Sie trägt zur Pflege und Verjüngung der Wälder bei, schafft Anreize für eine langfristige Waldpflege und sichert Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung in ländlichen, voralpinen und alpinen Regionen.

Umweltfreundlich

Moderne Holzheizungen arbeiten höchsteffizient und erfüllen hohe Anforderungen an die Luftreinhaltung. Entscheidend sind eine geeignete Anlage, der richtige Betrieb und die Verwendung geeigneter Brennstoffe. Dank modernster Filtertechnologie und der Einhaltung strenger Emissionsgrenzwerte verursachen Holzfeuerungen heute nur noch sehr geringe Feinstaub- und Schadstoffemissionen.

Vielseitig

Energieholz kann für unterschiedlichste Anwendungen eingesetzt werden – vom Einzelofen über automatische Heizsysteme bis hin zu grossen Wärmeverbünden. Holzenergie verbindet damit erneuerbare Ressourcen, regionale Wertschöpfung und vielseitige Einsatzmöglichkeiten – und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur erneuerbaren Wärmeversorgung in der Schweiz.

Entwicklung

  1. Vor 1945

    Über Jahrhunderte hinweg war Holz eine der bedeutendsten Energiequellen für Heizung, Kochen und Handwerk. Als lokal verfügbare Ressource spielte es eine zentrale Rolle im Alltag.

  2. 1945-1970

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Holz zunehmend durch Erdöl und andere fossile Energieträger ersetzt. Erdöl galt als günstig, praktisch und effizient und entwickelte sich zur dominierenden Energiequelle.

  3. 1970

    In der Schweiz machte Holz nur noch rund ein Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus. Lediglich ein kleiner Teil des geernteten Holzes wurde noch energetisch genutzt.

  4. 1970er-Jahre

    Die Ölkrisen machten die Abhängigkeit von importierten Energieträgern deutlich. Dadurch gewann Holzenergie als regionale, erneuerbare und verfügbare Energiequelle erneut an Bedeutung.

  5. Seit den 1990er-Jahren

    Technologische Fortschritte, effizientere Verbrennungssysteme, energiepolitische Massnahmen und ein wachsendes Umweltbewusstsein führten zu einer kontinuierlichen Zunahme der Nutzung von Holzenergie.

  6. Heute

    Holzenergie spielt eine wichtige Rolle in der Schweizer Energieversorgung. Sie stärkt die Versorgungssicherheit, ermöglicht die nachhaltige Nutzung heimischer Holzressourcen und trägt zur Defossilisierung bei. Bis heute hat sie rund 50 Millionen Tonnen CO₂ aus fossilen Quellen eingespart.

Transition

Holzenergie wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Schweizer Energiesystem spielen.

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 beschlossen Bundesrat und Parlament den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie und entwickelten die Energiestrategie 2050. Diese verfolgt das Ziel, die Energieeffizienz zu steigern und den Anteil erneuerbarer Energien kontinuierlich auszubauen.

In diesem Zusammenhang kann Holzenergie insbesondere für die Wärmeversorgung und, wo sinnvoll, für die gekoppelte Erzeugung von Wärme und Strom einen wichtigen Beitrag leisten. Der Bund unterstützt diese Entwicklung unter anderem über das Programm EnergieSchweiz, während zahlreiche Kantone zusätzliche Fördermassnahmen umsetzen.

Neben Solar-, Wasser- und Windenergie trägt Holzenergie zu einer erneuerbaren, sicheren und weitgehend auf einheimischen Ressourcen basierenden Energieversorgung bei.

Dank ihrer regionalen Verfügbarkeit und Erneuerbarkeit wird Holzenergie auch künftig einen wichtigen Beitrag zur erneuerbaren Energie- und Wärmeversorgung der Schweiz leisten.

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